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Die Probleme unserer Zeit
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5) Die "Natürliche Wirtschaftsordnung" - der Dritte Weg - Alternative und Ausweg
 
Mit der sog. "Natürlichen Wirtschaftsordnung" (NWO), die auf die Freiwirtschaftsbewegung des letzten Jahrhunderts zurück geht, wurde erkannt, dass die derzeitige Geld- und Bodenordnung unsachgemäß ist. Der Zins wird meist als marktgerechter Preis für Kapital definiert und müsste demnach den Mechanismen von Angebot und Nachfrage unterliegen. Dies ist aber nur bedingt richtig.
 
Denn Geld und Boden haben gegenüber allen anderen "Waren" einen Vorteil: sie altern nicht, d.h. sie verrotten nicht.  Man kann sie jenen Mitmenschen vorenthalten, die sie dringend benötigen. Jeder Produzent ist daran interessiert, sein Produkt so schnell wie möglich an seine Kunden weiterzugeben. Geld aber kann zurückgehalten, umgeleitet und zu Spekulationen benutzt werden. Milliarden "geistern" täglich durch die Börsen, nach Anlage und hoher Rendite suchend. Der ursprüngliche Zweck, als Tauschmittel zu dienen, verliert an Bedeutung.
 
Den Geldumlauf versucht man mit Hilfe des Zinses zu steuern. Bei niedrigen Zinsen (um 3%) und weitgehend befriedigten Bedürfnissen der Kapitalbesitzer weicht das Geld aus auf den Markt der Spekulationen. Da Geld nicht investiert wird, stockt der Geldumlauf. Die Wirtschaft gerät in die Rezession, die Arbeitslosigkeit steigt, der Staat wird zur Fürsorge gezwungen. Sein Geldbedarf wächst, die Zinsen steigen, Kapital kommt in Bewegung. Dann ist es aber meist zu teuer für wirkliche Investitionen. "Einsparungen" und "Personalabbau" erzeugen weitere soziale Probleme. Arbeitslosigkeit wird zum Dauerzustand der kapitalistischen Gesellschaft. Die Schere zwischen Reich und Arm öffnet sich mehr und mehr. Die Marktwirtschaft wird zusehends unsozialer. 
 
Ein Zinsverbot, um diese "unsoziale Schraube" zu bändigen, ist in einer Marktwirtschaft nicht möglich. Wir brauchen an dieser Stelle eine pendelnde Größe, die Geldangebot und –nachfrage zur Deckung bringt. Das berechtigte Anliegen des in allen Religionen verankerten Zinsverbotes würde indes gewahrt, wenn der Zins um Null pendelt statt um 6%. Das wäre dadurch erreichbar, dass der Umlauf des Geldes nicht mehr durch Zins und Inflation, sondern durch eine Liquiditätsabgabe gesichert würde. Ähnlich wirkten im Hochmittelalter die Brakteaten.
 
Es waren "rostende Münzen", die regelmäßig gegen eine Gebühr umgetauscht werden mussten. Schnelle und regelmäßige Weitergabe verhinderte den Wertverlust in der eigenen Tasche. Eine Umlaufgebühr für unsere Scheine wäre auch heute ein Antrieb für den Geldumlauf, vergleichbar mit der Standgebühr der Bahn, die so ihre Güterwaggons in Bewegung hält. Die Besteuerung von Arbeitseinkommen wäre schrittweise durch Besteuerung der Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen (einschließlich des Bodens) zu ersetzen, weil diese Erde allen Menschen gemeinsam zusteht.
 
Von einer Währung mit "natürlichen Eigenschaften" wäre stets genug im Umlauf. Ihr Geld müsste sich nicht in unvorstellbare Dimensionen vermehren und wäre deshalb auch nicht mehr Inflation treibend. Der Zwang zum WW entfiele. Die Wirtschaft könnte sich endlich an den Bedürfnissen der Bürger orientieren und Qualität vor Quantität, Umweltökonomie vor Konsumweckung setzen. Diese "Natürliche Wirtschaftsordnung" könnte auch das Modell für die neue Weltwirtschaftsordnung sein, nach der heute weltweit gesucht wird - bisher ohne Erfolg.
 
Wohlstand und Reichtum lassen sich auch in dieser Wirtschaftsordnung durch Fleiß und marktgerechtes Verhalten erarbeiten. Ausbeuterische leistungslose Gewinne sind nicht mehr möglich. Es gibt mehrere Beispiele für den Erfolg dieser Theorien. Besonders erfolgreich wurde 1932/33 ein freiwirtschaftliches Experiment im Zuge der Weltwirtschaftskrise, das als "Wunder von Wörgl" in die Geschichte eingegangen ist. (Die Gemeinde Wörgl hat dafür seinem damaligen Bürgermeister Michael Unterguggenberger ein Denkmal gesetzt.) Vorschläge für die Realisierung in heutiger Zeit wurden insbesondere von Dieter Suhr entwickelt. Mit Hilfe einer Sparkasse oder Bank ließen sich mit "Neutralem Geld" beispielsweise innerhalb einer Region die erwünschten Effekte erzielen und vor allem der fortschreitenden Verschuldung der Kommunen entgegenwirken.
 
Diese Ideen haben zu weltweiten Initiativen geführt.  Als umlaufgesicherte Regiowährung sind in Deutschland vor allem der "Roland" in Bremen und der "Chiemgauer" in Bayern bekannt geworden. Eingetragene Vereine wie "Christen für gerechte Wirtschaftsordnung" (CGW), oder die "Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung" (INWO) oder das "Seminar für Freiheitliche Ordnung" bieten Seminare, Vorträge und Schriften zu den Problemen Geld- und Bodenordnung an.
 
Die freiwirtschaftlichen Ideen sind seit fast 100 Jahren bekannt. Ihre Bedeutung zu verachten, das ist die eigentliche Wurzel unsere Probleme heute. J.M.Keynes drückte dies so aus: "The difficulty lies not in the new ideas, but in escaping from the old ones." Die umfangreiche Literatur und das sich ausbreitende Interesse an der Bewältigung unserer großen Probleme sind Anzeichen dafür, dass die "neuen Ideen" an Bedeutung gewinnen. Die menschliche Vernunft scheint zu wachsen. Für sie ist das unbegrenzte exponentielle Wachstum mehr als wünschenswert.
 
Wolfgang Heiser (Feb.05)

04.12.2006