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Die "Natürliche Wirtschaftsordnung" - der Dritte Weg -
Alternative und Ausweg
Mit der sog.
"Natürlichen Wirtschaftsordnung" (NWO), die auf die
Freiwirtschaftsbewegung des letzten Jahrhunderts zurück geht, wurde
erkannt, dass die derzeitige Geld- und Bodenordnung unsachgemäß
ist. Der Zins wird meist als marktgerechter Preis für Kapital
definiert und müsste demnach den Mechanismen von Angebot und
Nachfrage unterliegen. Dies ist aber nur bedingt richtig.
Denn Geld und Boden haben
gegenüber allen anderen "Waren" einen Vorteil: sie altern
nicht, d.h. sie verrotten nicht. Man kann sie jenen
Mitmenschen vorenthalten, die sie dringend benötigen. Jeder
Produzent ist daran interessiert, sein Produkt so schnell wie
möglich an seine Kunden weiterzugeben. Geld aber kann
zurückgehalten, umgeleitet und zu Spekulationen benutzt werden.
Milliarden "geistern" täglich durch die Börsen, nach
Anlage und hoher Rendite suchend. Der ursprüngliche Zweck, als
Tauschmittel zu dienen, verliert an Bedeutung.
Den Geldumlauf versucht man mit Hilfe des Zinses zu
steuern. Bei niedrigen Zinsen (um 3%) und weitgehend befriedigten
Bedürfnissen der Kapitalbesitzer weicht das Geld aus auf den Markt
der Spekulationen. Da Geld nicht investiert wird, stockt der
Geldumlauf. Die Wirtschaft gerät in die Rezession, die
Arbeitslosigkeit steigt, der Staat wird zur Fürsorge gezwungen.
Sein Geldbedarf wächst, die Zinsen steigen, Kapital kommt in
Bewegung. Dann ist es aber meist zu teuer für wirkliche
Investitionen. "Einsparungen" und
"Personalabbau" erzeugen weitere soziale Probleme. Arbeitslosigkeit
wird zum Dauerzustand der kapitalistischen Gesellschaft. Die Schere
zwischen Reich und Arm öffnet sich mehr und mehr. Die
Marktwirtschaft wird zusehends unsozialer.
Ein Zinsverbot, um diese
"unsoziale Schraube" zu bändigen, ist in einer
Marktwirtschaft nicht möglich. Wir brauchen an dieser Stelle eine
pendelnde Größe, die Geldangebot und –nachfrage zur Deckung
bringt. Das berechtigte Anliegen des in allen Religionen verankerten
Zinsverbotes würde indes gewahrt, wenn der Zins um Null pendelt
statt um 6%. Das wäre dadurch erreichbar, dass der Umlauf des
Geldes nicht mehr durch Zins und Inflation, sondern durch eine
Liquiditätsabgabe gesichert würde. Ähnlich wirkten im
Hochmittelalter die Brakteaten.
Es waren "rostende
Münzen", die regelmäßig gegen eine Gebühr umgetauscht
werden mussten. Schnelle und regelmäßige Weitergabe verhinderte
den Wertverlust in der eigenen Tasche. Eine Umlaufgebühr für
unsere Scheine wäre auch heute ein Antrieb für den Geldumlauf,
vergleichbar mit der Standgebühr der Bahn, die so ihre
Güterwaggons in Bewegung hält. Die Besteuerung von
Arbeitseinkommen wäre schrittweise durch Besteuerung der
Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen (einschließlich des Bodens)
zu ersetzen, weil diese Erde allen Menschen gemeinsam zusteht.
Von einer Währung mit
"natürlichen Eigenschaften" wäre stets genug im Umlauf.
Ihr Geld müsste sich nicht in unvorstellbare Dimensionen vermehren
und wäre deshalb auch nicht mehr Inflation treibend. Der Zwang zum
WW entfiele. Die Wirtschaft könnte sich endlich an den
Bedürfnissen der Bürger orientieren und Qualität vor Quantität,
Umweltökonomie vor Konsumweckung setzen. Diese "Natürliche
Wirtschaftsordnung" könnte auch das Modell für die neue
Weltwirtschaftsordnung sein, nach der heute weltweit gesucht wird -
bisher ohne Erfolg.
Wohlstand
und Reichtum lassen sich auch in dieser Wirtschaftsordnung durch
Fleiß und marktgerechtes Verhalten erarbeiten. Ausbeuterische
leistungslose Gewinne sind nicht mehr möglich. Es gibt mehrere
Beispiele für den Erfolg dieser Theorien. Besonders erfolgreich
wurde 1932/33 ein freiwirtschaftliches Experiment im Zuge der
Weltwirtschaftskrise, das als "Wunder
von Wörgl" in die Geschichte eingegangen ist. (Die
Gemeinde Wörgl hat dafür seinem damaligen Bürgermeister Michael
Unterguggenberger ein Denkmal
gesetzt.) Vorschläge für die Realisierung in heutiger Zeit wurden
insbesondere von Dieter Suhr entwickelt. Mit Hilfe einer Sparkasse
oder Bank ließen sich mit "Neutralem Geld" beispielsweise
innerhalb einer Region die erwünschten Effekte erzielen und vor
allem der fortschreitenden Verschuldung der Kommunen entgegenwirken.
Diese
Ideen haben zu weltweiten Initiativen geführt. Als
umlaufgesicherte Regiowährung
sind in Deutschland vor allem der "Roland" in Bremen und der
"Chiemgauer"
in Bayern bekannt geworden. Eingetragene Vereine wie "Christen für gerechte
Wirtschaftsordnung" (CGW), oder die "Initiative für
Natürliche Wirtschaftsordnung" (INWO)
oder das "Seminar für
Freiheitliche Ordnung" bieten Seminare, Vorträge und
Schriften zu den Problemen Geld- und Bodenordnung an.
Die
freiwirtschaftlichen Ideen sind seit fast 100 Jahren bekannt. Ihre
Bedeutung zu verachten, das ist die eigentliche Wurzel unsere
Probleme heute. J.M.Keynes
drückte dies so aus: "The difficulty lies not in the new ideas,
but in escaping from the old ones." Die umfangreiche
Literatur und das sich ausbreitende Interesse an der Bewältigung
unserer großen Probleme sind Anzeichen dafür, dass die "neuen
Ideen" an Bedeutung gewinnen. Die menschliche Vernunft scheint
zu wachsen. Für sie ist das unbegrenzte exponentielle Wachstum mehr
als wünschenswert.
Wolfgang Heiser (Feb.05)
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04.12.2006 |
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